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Die Domaine der Undemokraten
Endlich kommt die Einführung der neuen Top-Level-Domains «.biz» und «.info» voran. Trotzdem droht das Vierteljahrestreffen am Streit um die demokratische Legitimation von Icann und um den verkappten Verisign-Deal der Internetbehörde in Stockholm zu scheitern.
Im jetzt veröffentlichen Budget der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) für das Fiskaljahr 2001/2002 ist kein Cent für weitere Wahlen von Icann-Direktoren eingeplant. Dies, obwohl Ende 2002 mindestens die Sitze der bisherigen fünf Nutzervertreter im Vorstand neu besetzt werden müssen. «Eine solche Finanzplanung wirkt wie der Vorgriff auf eine Entscheidung, die eigentlich im Spätherbst dieses Jahres ansteht», sagt Jeanette Hofmann, Internetforscherin am Wissenschaftszentrum Berlin. Erst dann soll nämlich eine von Icann eingesetzte Expertengruppe über die Zukunft der At-Large-Membership, also über die Rolle der Internetnutzer bei der Icann, befinden. Für die Arbeit dieser Experten allein hat Icann immerhin 450'000 Dollar locker gemacht.
Trotzdem solls kein Geld für neue Wahlen geben: Karl Auerbach, der User-Vertreter für Nordamerika, bringt den Widerspruch auf den Punkt: «Icann wird einfach so lange Studien in Auftrag geben, bis eine Untersuchung ergibt, dass die Nutzervertretung abgeschafft gehört.» Gegen die Abschaffung werden sich in Stockholm die zahlreich anreisenden Internetaktivisten zu wehren versuchen. Ausserdem will eine unabhängige Forschergruppe, die NGO and Academic Icann Study-Group (Nais), ihren eigenen Bericht über die At-Large-Membership präsentieren. Dieser folgert eindeutig, dass eine Legitimation der obersten Internetbehörde nur durch die Teilnahme der Webgemeinschaft in den Icann-Gremien möglich ist.
«Icanns Politik machen die Angestellten, nicht das Direktorium»
Für erneuten Gesprächsstoff sorgen wird auch der Vertrag zwischen Icann und der führenden Domain-Anbieterin Verisign. Diese darf künftig nicht nur die Datenbank mit allen «.com»-Endungen verwalten, sondern zugleich auch als Verkäuferin eben dieser Adressen agieren. Für neue Brisanz sorgt ein jetzt publik gemachtes E-Mail von Icann-Anwalt Joe Sims an Roger Cochetti, einen hohen Verisign-Offiziellen. Darin offeriert Sims dem Verisign-Manager unverblümt, den kontroversen Vertrag vor dem Icann-Direktorium durchzuboxen. Für Karl Auerbach der Beweis dafür, dass die Icann-Angestellten über weitgehende Narrenfreiheit verfügen: «Icanns Politik wird von den Angestellten gemacht und nicht vom Direktorium. Das ist völlig verkehrt und muss endlich geklärt werden.»
Zur Debatte stehen wird auch ein Diskussionsvorschlag, den Icann gewohnt kurzfristig vor dem Jahrestreffen publiziert hat, dass für die meisten Interessengruppen eine seriöse Revision kaum mehr möglich ist. Der Vorschlag will verhindern, dass alternative, also nicht von Icann kontrollierte Top-Level-Domains wie zum Beispiel «.web» oder «.sucks», vom weltweit gültigen System der Internetserver erkannt werden. Ein klarer Hinweis dafür, dass sich Icann nicht weniger als die virtuelle Weltherrschaft vorgenommen hat.
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www.icann.org/stockholm/
www.icannchannel.de/
www.icannwatch.org/
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