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Braungebrannter Strahlemann in der Statistenrolle
Der neue Day-Interactive-CEO John Payne muss sich erst noch aus dem Schatten seines Vorgängers strampeln. Der erfolgsverwöhnte US-Amerikaner zweifelt aber keinen Moment daran, dass er es packt, den serbelnden Börsenkurs in eine finanzielle Chance zu verwandeln.
Von Marc Holitscher (15.02.2001)
Der Amerikaner John Payne, eben erst zum neuen Chief Executive Officer der Basler Softwareschmiede Day Interactive gekürt, liebt und lebt die Geschwindigkeit: Ob als begeisterter Zuschauer bei tollkühnen Indycar-Rennen oder als Manager am Steuer von aufstrebenden Dotcomfirmen. Ehrgeizig ist denn auch seine Zielvorgabe für Day, nämlich das Unternehmen «rasch zum globalen Marktführer im Bereich der Content Management-Systeme aufzubauen».
Rein äusserlich verkörpert der 44-jährige Familienvater viele Merkmale, wie man sie hierzulande von Exponenten der Silicon-Valley-Wirtschaft erwartet: braun gebrannt, von durchtrainierter Statur und mit direktem Blick nach vorn. Dem Alltag in der kalifornischen Wachstumsregion kann Payne allerdings wenig Attraktives abgewinnen: «Die Gegend erstickt im Verkehr, die Lebenskosten sind extrem hoch und ausser arbeiten kann man da nichts tun.» Dabei denke er gerne an die Zeit zurück, als er während seines Ökonomiestudiums drei Jahre lang als Förster für die amerikanische Waldbehörde tätig war und hoch zu Ross oder auf Skis in der Natur gearbeitet habe. Von daher rührt vielleicht auch seine Begeisterung für die Schweiz, deren «sonderbare Mischung aus ländlichem Charakter und weltweit bedeutendem Finanzplatz» es Payne angetan haben. Dass er künftig öfters zwischen seinem Arbeitsplatz in Los Angeles und dem Day-Hauptquartier in Basel wird hin- und herfliegen müssen, nimmt er daher gerne in Kauf.
Die nostalgische Verträumtheit des passionierten Mountain-Bikers weicht aber schnell dem messerscharfen Managerblick, sobald vom seinem neuen Arbeitgeber die Rede ist: Als Nachfolger von Day-Gründungsmitglied und Gallionsfigur Michael Moppert will Payne das Technologieunternehmen für den globalen Wettbewerb fit machen. Zuvor habe er sich jedoch vergewissert, dass Moppert nicht am so genannten «Gründeritis-Syndrom» leide, also tatsächlich willens und in der Lage sei, die Führungsverantwortlichkeit an ihn abzugeben. Nimmt man die Performance der beiden Wirtschaftskapitäne an der Pressekonferenz bei der Zürcher Internet-Expo zur Messlatte für die künftige Arbeitsteilung, so brilliert Payne aber doch noch eher in der Statistenrolle.
Nach Ansicht von Payne hält Day mit ihrem Hauptprodukt, der Content-Management-Software Communiqué 2.5 zum Erstellen und Verwalten komplexer Websites, den entscheidenden Trumpf für das angepeilte Wachstum bereits in der Hand. Darüber hinaus setzt der Turbomanager mit dem 16-Stunden-Arbeitstag vor allem auf eine Strategie: Er will die Partneraktivitäten von Day in den USA verstärken und damit die ins Hintertreffen geratenen Einnahmen aus dem Geschäft mit den Softwarelizenzen wieder erhöhen. Diese Aufgabe könne, so das einfache Kalkül, von einem Amerikaner mit lokalen Beziehungen besser bewerkstelligt werden als von jedem zugewanderten Europäer. Ganz dem typisch amerikanischen Zukunftsoptimismus verpflichtet, interpretiert der Kalifornier auch den serbelnden Börsenkurs der Firma eher als finanzielle Chance denn als Risiko. Nicht gelten lassen will Payne die Vermutung, er sei als Troubleshooter für die bedrängte Day engagiert worden: «Unsere Wertpapiere sind momentan unterbewertet, und dies bietet mir Gelegenheit, das Vertrauen der Geldgeber zurückzugewinnen.»
Die Erfahrung, dass sich mit dem Internet nicht nur Geld verdienen, sondern auch ganz alltägliche Bedürfnisse befriedigen lassen, machte Payne nach eigener Aussage beim letzten Erntedankfest: In Rekordzeit stöberte der Hobbykoch auf dem weltweiten Datennetz ein seltenes Südstaatenrezept für die Zubereitung des traditionellen Truthahns auf. «Das war der beste Truthahn, den ich jemals hatte», schwärmt Payne.
In der New Economy kann John Payne auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Schon mit 22 Jahren machte er sich selbständig, 1993 übernahm er die Leitung eines auf Anwendungen für den Palmtop und Newton spezialisierten Unternehmens und fungierte zuletzt als Verwaltungspräsident und CEO von Stamps. com, einem Anbieter internetbasierter Post- und Versandlösungen. «Ich habe miterlebt, wie andere Unternehmen Fehler gemacht haben, und daraus meine Lehren gezogen», resümiert Viel- und Überflieger Payne die wichtigsten Erkenntnisse seiner bisherigen Laufbahn. Tatsache ist aber auch, dass die Vorgängerfirma Stamps. com seit seinem Abgang im vergangenen Oktober wiederholt Angestellte entlassen musste. Hierfür weist Payne allerdings die Verantwortung von sich, sei er doch immer für einen vorsichtigen Expansionskurs eingetreten. Dennoch: Eines seiner ersten Etappenziele bei Day besteht genau in der Aufstockung der Belegschaft und zwar «weit über die heutigen 158 Mitarbeiter hinaus».
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